Naturreligionen und Animisten glauben an Geister und übernatürliche Mächte (Götter), die über Wohl und Wehe der Lebenden entscheiden. Gute Geister beschützen, böse Geister bringen Tod, Krankheit und Elend. Geister sind Teil der Natur und wirken aus Pflanzen, Tieren und Menschen, und im Besonderen aus Verstorbenen. Diese sind immer gegenwärtig, auch wenn man sie nicht sieht, und wenn sie lange tot sind. Es gilt, sie zu ehren und sie um Rat zu fragen, da sie aus einer erhöhten und übernatürlichen Sphäre Zugang zu mehr Wissen und Weisheit haben. Entsprechend der Bedeutung für die guten Geister, sind manche Dinge oder Tiere heilig. Besonders Tiere, aber auch Krieger feindlicher Stämme können die eigenen Kräfte vergrößern, wenn ihre Seelen und ihre Geister auf den eigenen Stamm übergehen. Daher werden Tiere und früher auch Menschen geopfert und ihre tierischen oder menschlichen Reste, wie Schädel, Blut oder Knochen in heiligen Zeremonien gefeiert.
Nach dem Glauben der Animisten ist alle lebende Materie beseelt. Die Seelen leben ewig als Geister, die Materie dagegen vergeht mit dem Tod. Viele Naturvölker töten ihre Beute mit Ehrfurcht und bedanken sich bei den Seelen der Tiere für die Überlassung ihres Fleisches. Sie töten nur, was sie zum eigenen Überleben brauchen.
Der Geisterglaube ist heute weltweit noch sehr verbreitet und vermischt sich oft mit den offiziellen Staatsreligionen, egal ob Buddhismus, Hinduismus, Islam oder Christentum. Es ist den christlichen Missionaren, aber auch den muslimischen Eroberern nie gelungen, den Animismus zu unterdrücken oder zu beseitigen. Im Buddhismus ist nie versucht worden, den Animismus zu beseitigen, passt er doch ideologisch durchaus in ein buddhistisches Weltbild.
Ein integraler Bestandteil der meisten Naturreligionen ist der Schamanismus. Schamanen sind Menschen, die die Fähigkeit besitzen, in Trance oder tranceähnlichem Zustand in die sogenannte Anderswelt zu reisen. Sie verlassen ihren Körper und reisen an Orte in der Anderswelt, die sie für real halten, und in der sie die Seelen Verstorbener oder Krafttiere treffen. Mit der Kraft dieser Tiere oder der Weisheit der Verstorbenen können sie Kranke heilen (physisch und psychisch) und den Menschen der diesseitigen Welt Energien übertragen. Es ist ihnen möglich, als verstorbene Seele eines anderen in ihren eigenen Körper zu schlüpfen und aus diesem als Verstorbener zu sprechen. Sie können sie Identität anderer Menschen und Tiere annehmen und wie diese fühlen und wahrnehmen. Eindrucksvolle Berichte lassen nachempfinden, wie sich ein alter Baum fühlt, der neben einer vielbefahrenen Strasse steht, wie es sich anfühlt, wie ein Adler zu fliegen oder wie ein Wolf durch die Wälder zu ziehen. Dabei wird die Welt dieser Tiere mit all deren Sinneseigenschaften wahrgenommen, also mit den Augen eines Adlers oder mit der Nase eines Wolfes. Im Falle der Identifizierung mit einem Verstorbenen kann dessen Wissen und Weisheit übermittelt werden. Die nachfolgenden Videos belegen dies eindrucksvoll. Schamanen gibt es in weiten Teilen Asiens, in nahezu allen Indianerstämmen Süd- und Nordamerikas, aber auch in westlichen Ländern. Die Fähigkeit zu schamanischen Reisen in die Anderswelt hat jeder Mensch in sich.
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