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Unser Körper

Stellen wir uns vor, unser Körper sei eine riesige Fabrik mit Tausenden von Abteilungen und Millionen von Mitarbeitern (die Zellen). Diese Fabrik produziert Energie.

Da sie sich in einem harten Konkurrenzkampf befindet, wird sie permanent von aussen und auch von innen bedroht. Saboteure sind in allen Bereichen.

Die Arbeit in dieser Fabrik ist nicht schwer, es ist jeden Tag dasselbe und jeder Mitarbeiter kennt seine Funktion in und auswendig. Die Fabrikleitung (im Gehirn) hat seit Gründung der Fabrik die Leitlinie ausgegeben, dass die Arbeit hart sein soll, aber unbedingt Freude bereiten muss. Die Stimmung in der Belegschaft soll optimal sein. Jeder soll bis zur Erschöpfung arbeiten, und dann eine ausgiebige Pause machen und sich erholen. Während der Pausenzeiten (Schlaf) ist absolute Ruhe, nur der Not- und Nachschubdienst ist im Einsatz, er räumt auf und sorgt dafür, dass nach der Pause wieder optimal gearbeitet werden kann.

Da die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz nicht verlassen, müssen sie (vom Blut) versorgt werden. Hierzu ist ein ausgeklügeltes System von flexiblen Wegen in der riesigen Fabrik eingerichtet worden, das eine optimale Versorgung jedes Mitarbeitern, auch in der letzten Ecke der Fabrik mit Nahrung und Sauerstoff gewährleistet. Auf diesen Wegen kann zusätzlich auch die Werkspolizei und der Rettungsdienst verkehren.

Das geniale an diesem System ist, das die Wege je nach Verkehrsaufkommen und Situation flexibel geweitet oder verengt werden können. So können an den beanspruchten Stellen ohne Störung mal mehr, mal weniger Mitarbeiter passieren. Bei hoher Beanspruchung einiger Teile der Fabrik kann es schon passieren, dass in anderen Bereichen die Versorgung der Mitarbeiter kurzfristig verringert wird. Dann sind dort die Wege sehr stark verengt. Ein automatischer Prozess sorgt jedoch dafür, dass diese Mitarbeiter nicht ersticken oder verhungern oder von den Saboteuren angegriffen werden. Die Möglichkeit der Engstellung der Tansportwege bis hin zum völligen Verschluss dient aber auch dem Schutz vor Eindringlingen oder Materialverlust, z.B. bei Verletzungen der Assenwände (der Haut).

Im Konkurrenzkampf (Flucht- oder Kampfreaktion) sind die Transportwege an den Außenwänden der Fabrik meistens sehr enggestellt.

Das Informationsnetz in der Fabrik ist so effektiv, dass jede Störung unmittelbar an die Zentralleitung gemeldet wird, und von dort sofortige Hilfe veranlaßt werden kann. So können Unfälle, Sauerstoffmangel schnellstens behoben werden oder Saboteure eliminiert werden (in dieser Fabrik werden Saboteure getötet).

Zu den einzelnen Abteilungen

Der Mund ist das Haupttor der Fabrik. Hier wird der Nachschub angeliefert und vorkontrolliert, bevor er in den Magen zur weiteren Aufbereitung kommt. Im Magen liegt der Nachschub zur Vorbereitung auf das Auspacken manchmal sehr lange. Das hängt von der Art des Nachschubes ab. Die vorbereiteten Teile werden dann in den Dünndarm und die Leber befördert, wo sie vollständig in ihre Einzelteile zerlegt und gleich wieder nach Bedarf zusammengesetzt werden. Wichtigster Arbeitsschritt ist hier der Zusammenbau von Proteinen aus Aminosäuren, das Zerlegen von Fetten (z.B. in Cholesterin) und die Aufbereitung von Kohlehydraten in Zucker. Zucker dient als Brennstoff für die Arbeit der Angestellten. Proteine und Fette werden für den Aufbau neuer Angestellter benötigt (z.B. Muskeln), v.a. der Arbeiter im Transport (Blutzellen, Hormone, Enzyme, Immunzellen)

Im Bereich der Leber und des Dünndarms findet auch die Kontrolle statt. Schädliche Materialien (z.B. Alkohol) werden unschädlich gemacht, fehlende Materialien besorgt. Einige Materialien können nur von außen besorgt werden, hierzu zählen die essentiellen Aminosäuren und einige Vitamine und Spurenelemente. Sind sie nicht verfügbar, können einige wichtige Proteine nicht zusammengebaut werden.

In der Leber (u.a.) werden dann die fertigen Bauteile auf den Weg (durchs Blut) geschickt und an ihre Bestimmungsorte transportiert. Mit welcher Geschwindigkeit dies erfolgt, bestimmt das Gehirn in Zusammenarbeit mit dem Herzen, das die Transportarbeiter antreibt. Die beladenen Transportarbeiter passieren nun die flexiblen Wege. Die Weit- und Engstellung steuert weitestgehend das Gehirn (Nervensystem), aber auch Hormone vor Ort können flexibel aushelfen. An den Engstellen werden die Transporteure ziemlich beschleunigt. Dann ist es schwierig, das Material abzuladen, und es passieren schon mal Fehler. Besser kann die Materialübergabe funktionieren, wenn die Transportwege geweitet sind, und der Transportstrom langsam fließt. Dies ist v.a. in den Pausen der Fall, daher werden viele Nachschubvorgänge in die Pausenzeiten verlegt.

Alle Transportarbeiter werden an der Klimaanlage der Fabrik (Lunge) vorbeigeschickt, wo einige (die roten Blutkörperchen) Sauerstoff tanken, um ihn mitzuführen zu den einzelnen Abteilungen.

In ständiger Begleitung laufen einige Polizisten und Sanitäter (Immunsystem) mit, um im Notfall Saboteure zu vernichten. Ihr Ziel sind in den meisten Fällen die Haut und die Schleimhäute (Auge, Nase, Mund, Hals), da dort permanente Angriffe erfolgen und ein täglicher Kriegszustand herrscht.

Kriegszustand herrscht auch, wenn der Angriff feindlicher Saboteure so gewaltig ist, oder neue, bisher unbekannte Feine eindringen, dass die Fabrik in ihrer Existenz bedroht ist. Dann herrscht Ausnahmesituation (Infektion): die Arbeit ruht in vielen Abteilungen, die gesamte Fabrik wird auf die neue Situation eingestellt, und es wird eine optimale Situation für den Einsatz der Mitarbeiter der Abwehr (Immunsystem) geschaffen. Die Temperatur in der Fabrik wird deutlich erhöht (Fieber), nicht lebensnotwendige Funktionen werden fast auf Null gefahren: Verdauung = kein Hunger; Muskeln = Schwäche und Bettruhe. Besondere Aktionen werden initiiert. Z.B. versuchen die Schleimhäute – v.a. der Nase - die Eindringlinge mit viel Wasser auszuschwemmen (Symptom Schnupfen) und die Lunge mit Hustenattacken die Feinde auszustoßen. Manchmal vergiß die Fabrikleitung in diesen Fällen den Nachschub mit Flüssigkeit zu gewährleisten.

Nach einem überstandenen Angriff sind die Feinde vernichtet und das Immunsystem ist trainiert und fit für den nächsten Angriff, bis es vielleicht irgendwann so durchtrainiert ist, dass keine Feinde mehr eine Chance haben. Dies ist maßgeblich abhängig davon, wie gut die Unterstützung durch die Fabrikleitung ist, und welchen Stellenwert sie den Mitarbeitern des Immunsystems gibt. Werden sie vernachlässigt und verlieren vielleicht ihren Daseinssinn und ihre Motivation, können aus ihnen leicht auch Saboteure werden. Es wird angenommen, dass die Mitarbeiter des Immunsystems (vielleicht aus Langeweile) auch schon ungefährliche Gegner suchen (Allergie), dabei gefährliche Feinde innerhalb der Fabrik übersehen oder ignorieren (Krebs) oder sogar eigene Mitarbeiter angreifen (Autoimmunkrankheit). Dies könnte daran liegen, dass die Auseinandersetzung mit Bakterien im Alltag immer geringer wird, oder dass die Mitarbeiter des Immunsystems von der Fabrikleitung nicht richtig geschult und geführt werden.

Überhaupt sind viele Fabriksleitungen in Frage zu stellen. Anstatt sich um die Belange ihrer Mitarbeiter zu kümmern, orientieren sie sich mehr und mehr nach aussen und versuchen permanent im Einsatz zu sein, ohne Pausen zu machen, Leistung zu bringen, ohne zu schauen, ob den Mitarbeitern dies überhaupt noch möglich ist, und ob sie mit voller Motivation dabei sind; vermeintlich Spaß zu haben, ohne zu schauen, ob es auch Freude bereitet; sich um Gott und die Welt zu kümmern, und dabei sich selbst vergessen. Richtige Ernährung und die wichtige Entspannung bleiben mehr und mehr auf der Strecke. Selbst die Nahrungsaufnahme und seine Verdauung als eigentlich entspannende Prozesse geraten zur Flucht- und Kampfsituation.

Fit sein, heißt heute für die meisten, sich dem gesellschaftlichen Konkurrenzkampf zu stellen, immer bereit zu sein, keine Pausen zu brauchen und zunehmend Aktivitäten zu entwickeln und Dinge zu tun, die man nur unter Druck tut. Ob das auch zu gesundheitlicher Fitness führt, ist mehr als zu bezweifeln.

Was passiert denn, wenn die Firmenleitung sich nicht mehr kümmert, wenn die Moral der Mitarbeiter sinkt ?

Zunächst einmal lange noch gar nichts, denn der alltägliche Prozess läuft lange wie von selbst. Dann gibt es die ersten, die zu murren beginnen und unzufrieden sind. Sie stecken andere an, die auch unsicher werden. Das führt zur Verschlechterung von Arbeitsprozessen (z.B. Verdauungsprobleme, Sodbrennen). Andere lassen sich nicht so leicht anstecken, sondern arbeiten bis an ihre Leistungsgrenzen, machen dabei zu wenig Pausen, werden zudem schlecht mit Nachschub versorgt und sind dann irgendwann am Ende (z.B. Herzinsuffizienz, Magenulkus). Am schlimmsten ist jedoch der Verlust der Steuerung in den Transportwegen. Legt die Firmenleitung keinen Wert mehr auf echte und regelmäßige Entspannungsphasen (Urlaub gehört heute wohl nicht nehr dazu), kann es vorkommen, dass gewisse Firmenbereiche permanent von wichtigem Nachschub abgeschnitten sind. In diesen Bereichen kommt es andauernd zur Engstellung der Tansportwege, mit der Folge, dass dorthin weniger Nachschub gebracht wird, dass der Nachschub aufgrund der schnellen Transportgeschwindigkeit nicht richtig abgegeben werden kann, und dass auch die Mitarbeiter der Abwehr sich dort nur noch selten einfinden. Weiterhin führt es dazu, dass die Transportwege nicht mehr richtig sauber gemacht werden, Unrat bleibt liegen und verstopft die Wege zusätzlich. Es kommt vor, dass Wege total verstopfen. Die Mitarbeiter dahinter ersticken (z.B. Herzinfarkt, Arteriosklerose, Venenverschluss).

Das es sich um ein kompliziertes Informationssystem handelt, in dem jeder von jedem abhängig ist, kommt eines zum anderen: die fehlerhafte permanente Engstellung der Transportwege führt zum Anstieg des Transportdruckes (Bluthochdruck), der Widerstand in der Belegschaft wächst, die Firmenleitung muß stärker drängen, die Mitarbeiter des Herzens müssen wesentlich mehr arbeiten, es werden mehr Hormonmitarbeiter bereitgestellt (Adrenalin, Cortisol), diese unterhalten die Engstellung der Transportwege noch weiter. Der Stoffwechsel und der Materialnachschub haben Probleme, weil der Transport nicht mehr richtig fließt, und weil die Ruhepausen zu kurz sind. Dazu kommt, dass viel zuviel Nachschub von oben kommt, mit dem nichts anzufangen ist, weil die wichtigen Stoffe nicht dabei sind (Vitamine, Aminosäuren), und weil das zuviel an Zucker und Fetten und Proteinen nicht gebraucht wird. Das Lagerhaus (Fettdepots) wird überfüllt und nimmt Energie aus anderen Bereichen weg. Außerdem verstopft es die Transportwege.

Statt Energie wird Masse produziert. Dadurch sinkt nicht nur die Zufriedenheit der Mitarbeiter, sondern v.a. die der Firmenführung.

 

 

 

 

 

 

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